Nina Rezagholinia

 Gibt es die Sterne, wenn keiner hinsieht? 

 

»Aber natürlich!« sagen sofort die eingefleischten Realisten und wahrscheinlich auch noch die Ontologen voller Zuversicht. Doch Vorsicht! Ist das wirklich so sicher, wie es immer noch einige von uns annehmen? Entstehen die Dinge nicht erst dadurch, dass wir uns ihnen widmen? Und verändern wir sie nicht ständig durch unsere Wahrnehmung? Existieren wir wirklich getrennt von ihnen? Oder bringt es uns nicht viel weiter, wenn wir uns als Teil von allem begreifen? 

 

Wir kommen wahrscheinlich gar nicht umhin, uns für die eine oder andere Haltung zu entscheiden. Und wir müssen Verantwortung übernehmen für die Wahl, die wir treffen.

 

Rätselhafte Ausschnitte, verwunschene Orte, merkwürdige Zusammenstellungen. Es ist, als habe sich hier jemand aufgemacht uns zu zeigen, dass die Welt noch nicht gänzlich entzaubert ist. Was lässt so viele Bilder geheimnisvoll erscheinen? Kann man überhaupt darüber reden, ohne ihnen ihren Zauber zu nehmen? Braucht es nicht eher ein auratisches Spüren, um den Werken nahe zu kommen? 

 

Auch von der Tür geht ein beinahe andächtig stimmender Zauber aus. Das Unsichtbare scheint so wichtig wie das Sichtbare, das Abwesende so bedeutend wie das Vorhandene. Nina Rezagholinias Bilder schöpfen ihre Anziehungskraft aus einer Qualität, an die Worte nur schwer heranreichen. […]

 

Text: Andreas Bee

Auszug aus der Publikation „Aber noch leiser ist eine Schere“

2016

 

 

 

100x140 cm, charcoal on colored paper, 2016